News
1. Herren


Meisterschaft und Sprung in die Dritte Liga
03.05.2011 - RHEINHESSEN
Von unserem Mitarbeiter Clemens Schröder
  
Machten Stimmung und peitschten
ihre Mannschaft zum Sieg: Die
Hardcorefans des TV Nieder-Olm.
Mainz. Es war eine prächtige Parade, die Torhüter Florian Bettin in der letzten Sekunde der Handballoberliga-Partie zeigte, nur achtete darauf niemand mehr. Denn während Bettin mit seiner siebzehnten Parade den 41:35 (16:17)-Sieg der Nieder-Olmer über die HSG Eckbachtal sicherte, knäuelten sich die restlichen Spieler, Trainer und Betreuer bereits in einer großen Traube in der Spielfeldmitte und jubelten über den Aufstieg des TV Nieder-Olm in die Dritte Liga Süd. 
Trost braucht er keinen, aber 
Abkühlung nach der Aufregung: 
TVNCoach Udo Henß.

Möglich geworden war der direkte Wiederaufstieg erst durch den Ausrutscher des ärgsten Verfolgers Saulheim, der am Samstagabend bei den HF Illtal knapp verloren hatte. Das hatten natürlich auch die Nieder-Olmer Spieler registriert, beschrieb Rechtsaußen Felix Niedermayer: „Ich hab mich zwar im ersten Moment gefreut, ganz sicher war ich mir aber nicht, ob das Ergebnis wirklich stimmt…“ Doch bald gab es die Bestätigung und so tat sich den Spielern des TV Nieder-Olm plötzlich die unerwartete Chance auf, schon am Sonntagmorgen in eigener Halle die Meisterschaft zu gewinnen. 

„Auf dem
Balkon!“
Einwurf von Trainer Udo
Henß auf die Ankündigung,
dass den Handballern ein
Empfang der Stadt Nieder-
Olm gegeben wird
„Wer in einer solchen Situation glaubt, man kann die Nervosität so einfach abschütteln, dem muss ich sagen: Das geht nicht“, erklärte Trainer Michael Rink hinterher den fahrigen Auftritt seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit, die mit 16:17 an den Gegner ging. Dann aber explodierten die Gastgeber kurz nach der Pause und spielten die folgenden zehn Minuten wie im Rausch. Auch weil die Abwehr präsenter wirkte, hielt Bettin im Tor viele Bälle und leitete unmittelbar den Schnellangriff ein. Die Bälle fing zumeist der flinke Niedermayer auf und verwandelte einen Ball nach dem anderen – nach wenigen Minuten zeigte die Anzeigetafel eine klare Führung für Nieder-Olm, 27:21 (40.). 
 
Da geht's hoch in die Dritte Liga: Der TV Nieder-Olm ist am Ziel seiner Träume angelangt.                      Fotos: Bernd Eßling

Die HSG Eckbachtal gab sich dann früh geschlagen, machte anschließend nur noch mit einem Frustfoul von Johannes Reibold auf sich aufmerksam (56.). Der bekam glatt Rot und sorgte somit wenigstens für den klaren Sieg seines Teams in der Statistik der Platzverweise, nachdem schon Mitspieler Maximilian Schreiber kurz vor der Pause des Feldes verwiesen worden war (25.). Während der TVN locker die Uhr herunterspielte und Dennis Stauder zum 41:35-Endstand traf, machten sich alle Nieder-Olmer schon bereit für die dritte Halbzeit, die Aufstiegsfeier. 
Dank ans Publikum nach einer heißen
Saison: Kapitän Tino Stumps (rechts)
und Abwehrchef Dennis Baier.

Zeigten im Spiel Felix Niedermayer und Jörn Laufersweiler die stärkste Leistung, so bekamen nach dem Spiel vor allem Kapitän Tino Stumps und Abwehrchef Dennis Baier Bestnoten. Baier stimmte mit den Fans einen Jubelgesang nach dem anderen an, von „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ bis „Nie mehr Oberliga“ und trieb die Stimmung mit seiner Interpretation des Weihnachtshits „Kling, Glöckchen klingelingeling“ auf die Spitze: „Nieder-Olm ist Erster, Saulheim, die sind Zweiter, Saarpfalz, die sind Dritter, oh, wie ist das bitter!“ 

„Die können gerne in die
zweite Reihe.“
Kapitän Tino Stumps auf
die Feststellung, dass
möglicherweise auch die
Fußballer aufsteigen und
gemeinsam mit den Handballern
auf dem Rathausbalkon
feiern können
Stumps dagegen nahm sein Amt als Mannschaftskapitän besonders ernst und leitete sein Team zur Pressekonferenz, wo er solange blieb, bis auch der Letzte mindestens einen Tropfen Wasser, Bier oder ein anderes Getränk abbekommen hatte. So bekam die versammelte Mannschaft immerhin noch Teile der Ankündigung von Bürgermeister Dieter Kuhl mit, der das Team als „die Visitenkarte von Nieder-Olm“ auszeichnete und versprach, den Spielern einen entsprechenden Empfang zu geben, möglicherweise im Rahmen des Nieder-Olmer  Straßenfestes.

Eher still genossen die Bauherren des Erfolgs, das Trainerduo Michael Rink und Udo Henß, den Trubel. „Wir wussten schon vor der Saison, dass wir einen flexibel einsetzbaren Kader zur Verfügung haben, bei der jede Position gleichwertig ersetzt werden kann“, begründete Rink den Erfolg der Mannschaft und fügte hinzu: „Der Großteil des Kaders bleibt zusammen, wir haben bereits jetzt die Zusage von zwölf Feldspielern und zwei Torhütern für die nächste Saison, sodass wir den Kader nur noch punktuell verstärken müssen.
 
   
TV Nieder-Olm - HSG Eckbachtal 41:35 (16:17)
TV Nieder-Olm: Conradi (1.-23.), Bettin (23.-60.) - Kundel (6), Laufersweiler (9/2), Räder (4), Niedermayer (8), Gaubatz (3), Reichelt (4), Neumann (1), Frommann, Stauder (2), Stumps (2), Walch (1), Baier, Tillinger (1).
HSG Eckbachtal: Faß (1.-35.), Häuselmann (35.-60.) - Chesneau (3), Müller (1), Subab (1/1), Lerzer (1), Schloß (1), Schreiber (2), Bach (3), Baumann (8), Schramm (4), Birgmeier (5), Best (6/1), Reibold.
Schiedsrichter: Ludwig Drynder, Armin Greff (beide Riegelsberg).
Rote Karten: Schreiber (HSG, 25.), Reibold (HSG, 56.).
Zuschauer: 350.

 

© Mainzer Rhein-Zeitung
Alle Rechte vorbehalten | Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Mainzer Rheinzeitung