| HANDBALL Rheinhessischer
Verband berät am Montag über Sanktionen für Vereine
Der Handballverband Rheinhessen
hat ein Problem: Die Schiedsrichter gehen ihm aus. Am Montag will der Vorstand
beraten, wie die Vereine aktiviert werden können, für Nachwuchs
zu sorgen. Klaus Kuhn, der Präsident, sagt im Interview, es ist nicht
mehr „fünf vor zwölf, sondern „schon zehn nach zwölf”.
Schiedsrichterrmangel - am
Montag wird das Thema im Vorstand diskutiert. Was sind die Positionen?
Es gibt zwei Tendenzen. Die
einen sagen, dass wir gegenüber den Vereinen eine härtere Gangart
einlegen müssen. Die anderen plädieren dafür, den Vereinen
noch eine Frist einzuräumen, damit sie die geforderten Kontingente
stellen können. Andernfalls gibt es Punktabzüge im Spielbetrieb.
Wie sieht die Lage aus?
Die Vereine müssen einsehen,
dass es nicht fünf vor zwölf, sondern schon zehn nach zwölf
ist. In Zahlen: Wir haben zwölf Mannschaften in der Rheinhessenliga,
das heißt Woche für Woche sechs Spiele. Wir brauchen also mindestens
sechs Gespanne, eher mehr. Es kann ja auch mal jemand krank werden oder
aus privaten Gründen passen müssen. Derzeit haben wir aber nur
drei, manchmal sogar nur zwei.
Welche Konsequenzen hat das?
Die, dass in dieser Saison
erstmals ein Spiel nicht von einem berufenen Schiedsrichter-Team geleitet
wurde, sondern von jemandem, der in der Halle war.
Das scheint ja zu funktionieren.
Warum lassen Sie es so nicht weiterlaufen?
Kein Thema, in einer Notsituation
ist das eine gute Lösung. Aber es kann doch keine Dauerlösung
sein. Diese Leute haben keine Schiedsrichterschulung. Was wäre in
der Halle los, wenn so ein entscheidendes Spiel um Platz eins und zwei
geleitet würde? Die Vereine und die Zuschauer würden berechtigt
fragen, warum da keine ausgebildeten Schiedsrichter am Werk sind.
Da kann man antworten: Weil
die Vereine keine Schiedsrichter stellten. Wo liegt das Problem?
Nein, wir als Verband haben
den Auftrag von den Vereinen, für einen ordentlichen Spielbetrieb
zu sorgen. Und dazu gehören Schiedsrichter. Wenn wir das nicht mehr
schaffen, dann können wir den Verband auch auflösen.
Wie kam es zu der Misere?
Ich gebe den Vereine da nicht
alleine die Schuld. Ich will aber auch nicht sagen, dass der Verband daran
schuld ist. Der Mangel an Schiedsrichtern ist seit Jahren bekannt. Weil
es aber irgendwie immer lief, hatten wir keinen Zwang, uns dem Problem
zu stellen. Es plätscherte immer vor sich hin. Das ist heute anders.
Wir sind an dem Punkt angelangt, an dem es nicht mehr weitergeht. Ich habe
den Eindruck, dass wir inzwischen auch bei unseren Vereinen Verständnis
finden.
Wie kann man Schiedsrichter
gewinnen?
Kurz gesagt: Der Job muss
attraktiv sein. Und wir müssen an der Zuschauer-Kultur arbeiten. Es
kann nicht sein, dass die Schiedsrichter wegen einer Fehlentscheidung unflätig
und wüst von den Rängen beschimpft werden. Das macht keinen Spaß
und sorgt dafür, dass potenzieller Nachwuchs abgeschreckt wird.
Und länger gesagt?
Erstens: Die Vereine sollten
auf ihre übermotivierten Zuschauern einwirken, dass sie die Leistung
des Schiedsrichters anerkennen und auch Fehlpfiffe verzeihen. Diese Leute
wären beispielsweise auch prädestiniert, mal eine Schiedsrichterausbildung
zu besuchen und zu zeigen, dass es besser geht. Zweitens könnten die
Vereine Schiedsrichter stärker wertschätzen, indem sie ihnen
die Ausbildung zahlen, Kleidung stellen und vielleicht vom Beitrag befreien.
Und von Verbandsseite könnten wir dafür sorgen, dass der Job
lukrativer wird, indem die Aufwandentschädigung erhöht wird.
Was wiederum Geld kostet
...
.. Finanziell sind wir ganz
gut aufgestellt.
Und zum Stichwort „Zuschauer-Kultur:
Wenn Sie die Kritik und die Emotionen aus der Halle verbannen, ist der
Handballsport um Vieles ärmer?
Nein, das sollte nicht missverstanden
werden. Selbstverständlich sollen auch Schiedsrichter weiterhin kritisiert
werden dürfen. Aber es ist eine Frage von Stil, wie kritisiert wird.
Das geht derzeit manchmal doch arg unter die Gürtellinie. Dass sich
das wieder ändert, daran müssen wir arbeiten.
Welcher Tendenz stehen Sie
näher? Vereine mit Schiedsrichtermangel bereits jetzt mit Sanktionen
zu drohen oder ihnen eine Frist einzuräumen?
Da bleibe ich zunächst
diplomatisch. Ich möchte nicht schon vor der Sitzung ein Urteil abgeben.
Das Gespräch führte
Claus Rosenberg
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