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Samstag, 12. März 2011 12:05 Uhr
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HANDBALL
Schiedsrichter? Echte Raritäten
12.03.2011 - Alzey
HANDBALL Rheinhessischer Verband berät am Montag über Sanktionen für Vereine 

Der Handballverband Rheinhessen hat ein Problem: Die Schiedsrichter gehen ihm aus. Am Montag will der Vorstand beraten, wie die Vereine aktiviert werden können, für Nachwuchs zu sorgen. Klaus Kuhn, der Präsident, sagt im Interview, es ist nicht mehr „fünf vor zwölf, sondern „schon zehn nach zwölf”.
 
 

Schiedsrichterrmangel - am Montag wird das Thema im Vorstand diskutiert. Was sind die Positionen?

Es gibt zwei Tendenzen. Die einen sagen, dass wir gegenüber den Vereinen eine härtere Gangart einlegen müssen. Die anderen plädieren dafür, den Vereinen noch eine Frist einzuräumen, damit sie die geforderten Kontingente stellen können. Andernfalls gibt es Punktabzüge im Spielbetrieb.
 
 

Wie sieht die Lage aus?

Die Vereine müssen einsehen, dass es nicht fünf vor zwölf, sondern schon zehn nach zwölf ist. In Zahlen: Wir haben zwölf Mannschaften in der Rheinhessenliga, das heißt Woche für Woche sechs Spiele. Wir brauchen also mindestens sechs Gespanne, eher mehr. Es kann ja auch mal jemand krank werden oder aus privaten Gründen passen müssen. Derzeit haben wir aber nur drei, manchmal sogar nur zwei.
 
 

Welche Konsequenzen hat das?

Die, dass in dieser Saison erstmals ein Spiel nicht von einem berufenen Schiedsrichter-Team geleitet wurde, sondern von jemandem, der in der Halle war.
 
 

Das scheint ja zu funktionieren. Warum lassen Sie es so nicht weiterlaufen?

Kein Thema, in einer Notsituation ist das eine gute Lösung. Aber es kann doch keine Dauerlösung sein. Diese Leute haben keine Schiedsrichterschulung. Was wäre in der Halle los, wenn so ein entscheidendes Spiel um Platz eins und zwei geleitet würde? Die Vereine und die Zuschauer würden berechtigt fragen, warum da keine ausgebildeten Schiedsrichter am Werk sind.
 
 

Da kann man antworten: Weil die Vereine keine Schiedsrichter stellten. Wo liegt das Problem?

Nein, wir als Verband haben den Auftrag von den Vereinen, für einen ordentlichen Spielbetrieb zu sorgen. Und dazu gehören Schiedsrichter. Wenn wir das nicht mehr schaffen, dann können wir den Verband auch auflösen.
 
 

Wie kam es zu der Misere?

Ich gebe den Vereine da nicht alleine die Schuld. Ich will aber auch nicht sagen, dass der Verband daran schuld ist. Der Mangel an Schiedsrichtern ist seit Jahren bekannt. Weil es aber irgendwie immer lief, hatten wir keinen Zwang, uns dem Problem zu stellen. Es plätscherte immer vor sich hin. Das ist heute anders. Wir sind an dem Punkt angelangt, an dem es nicht mehr weitergeht. Ich habe den Eindruck, dass wir inzwischen auch bei unseren Vereinen Verständnis finden.
 
 

Wie kann man Schiedsrichter gewinnen?

Kurz gesagt: Der Job muss attraktiv sein. Und wir müssen an der Zuschauer-Kultur arbeiten. Es kann nicht sein, dass die Schiedsrichter wegen einer Fehlentscheidung unflätig und wüst von den Rängen beschimpft werden. Das macht keinen Spaß und sorgt dafür, dass potenzieller Nachwuchs abgeschreckt wird.
 
 

Und länger gesagt?

Erstens: Die Vereine sollten auf ihre übermotivierten Zuschauern einwirken, dass sie die Leistung des Schiedsrichters anerkennen und auch Fehlpfiffe verzeihen. Diese Leute wären beispielsweise auch prädestiniert, mal eine Schiedsrichterausbildung zu besuchen und zu zeigen, dass es besser geht. Zweitens könnten die Vereine Schiedsrichter stärker wertschätzen, indem sie ihnen die Ausbildung zahlen, Kleidung stellen und vielleicht vom Beitrag befreien. Und von Verbandsseite könnten wir dafür sorgen, dass der Job lukrativer wird, indem die Aufwandentschädigung erhöht wird.
 
 

Was wiederum Geld kostet ...

.. Finanziell sind wir ganz gut aufgestellt.
 
 

Und zum Stichwort „Zuschauer-Kultur: Wenn Sie die Kritik und die Emotionen aus der Halle verbannen, ist der Handballsport um Vieles ärmer?

Nein, das sollte nicht missverstanden werden. Selbstverständlich sollen auch Schiedsrichter weiterhin kritisiert werden dürfen. Aber es ist eine Frage von Stil, wie kritisiert wird. Das geht derzeit manchmal doch arg unter die Gürtellinie. Dass sich das wieder ändert, daran müssen wir arbeiten.
 
 

Welcher Tendenz stehen Sie näher? Vereine mit Schiedsrichtermangel bereits jetzt mit Sanktionen zu drohen oder ihnen eine Frist einzuräumen?

Da bleibe ich zunächst diplomatisch. Ich möchte nicht schon vor der Sitzung ein Urteil abgeben.
 
 

Das Gespräch führte Claus Rosenberg
 
 

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Klaus Kuhn. Archivfoto: Waidner
 
 

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