| Von Karsten Gerber
HANDBALL-OBERLIGA Entfesselte
SG behält im Derby gegen Spitzenreiter Nieder-Olm 28:23 die Oberhand
Die Vorentscheidung im Titelkampf
der Handball-Oberliga wurde verschoben. Im Nachbarschaftsduell um die rheinhessische
Vorherrschaft revanchierte sich die SG Saulheim mit dem 28:23 (16:10)-Sieg
über Spitzenreiter TV Nieder-Olm nicht nur für die unglückliche
Hinspiel-Niederlage, sondern verkürzte auch den Abstand zum Liga-Primus
auf zwei Punkte.
Doch wer in der zum Bersten
gefüllten Ritter-Hundt-Halle einen bis zur letzten Sekunde spannenden
Fight der beiden, die Liga dominierenden Teams erwartet hatte, sah sich
schnell getäuscht. Die lautstarken Nieder-Olmer Fans rieben sich schon
nach wenigen Minuten die Augen, die SG-Anhänger kamen aus dem Staunen
gar nicht mehr heraus. Denn was das Team von Trainer Erik Abel auf die
Platte zauberte, war teilweise atemberaubend. Mit einer „super Abwehr“
(Abel) und fast 100-prozentiger Wurfausbeute spielten die Gastgeber den
Lokalrivalen in den ersten Minuten fast an die Wand. Der TV wusste teils
gar nicht wie ihm geschah: Egal was die Mannen des Trainergespanns Michael
Rink/Udo Henß versuchten, sie wurden überrollt. Mit einem starkem
Sebastian Montino im Kasten und einem auf allen Positionen variablen Angriff
zog die SG über 5:1 auf 10:4 davon. Das „Wir-wollen-euch-kämpfen-sehn“
der Gäste-Fans nach 20 Minuten war symptomatisch. Zu allem Übel
kassierte TVN-Abwehr-Ass Dennis Baier (26.) nach einem üblen Foul
am genesenen Benjamin Venter die Rote Karte.
„Der Gegner war ab der ersten
Minute völlig chancenlos“, analysierte Abel die Partie nüchtern.
„Ich wusste genau, dass wir gewinnen werden, der Fünf-Tore-Abstand
ist letzten Endes aber zu knapp ausgefallen.“ Nicht verwunderlich, waren
die letzten zehn Minuten doch eher ein reines Schaulaufen der feiernden
Saulheimer. Ab Minute 55 stand die komplette Reserve auf der Bank und hüpfte
im Rhythmus der klatschenden Zuschauer. Die Sieben auf dem Feld feierte
auf ihre Weise, als Benni Kröhle und Phillip Becker mit einem wunderschönen
Kempa-Trick das 27:21 markierten.
„Wir waren im Angriff einfach
nicht gut genug“, bemängelte ein geknickter Udo Henß, der noch
lange nach Abpfiff in sich zusammengesunken auf der Trainerbank saß
und verzweifelt den Kopf schüttelte. „Ich hätte mir mehr Zug
zum Tor gewünscht, auch wenn die zweite Halbzeit eine deutliche Steigerung
zur ersten war.“
Sein zufriedener Gegenüber
konnte sich eine kleine Stichelei in Richtung TVN-Coach Michael Rink nicht
verkneifen. Der hatte im Vorfeld zwar die besseren Einzelspieler beim Gegner
vermutet, das stärkere Kollektiv aber in seiner Mannschaft gesehen:
„Wir sind jetzt auch ein Kollektiv. Seit die Verletzten zurückgekommen
sind, passt alles wunderbar im Team. Das wird auch Paolo Rink gesehen haben“,
grinste Abel. Seine Jungs haben ihren zu Saisonbeginn geschmiedeten Pakt,
zu Hause ungeschlagen bleiben zu wollen, erneut erfüllt. Das Versprechen
eines Sponsors, für jedes erzielte Tor gegen den Lokalrivalen, eine
Kiste Bier zu stiften, wird sein Übriges dazu getan haben.
SG Saulheim: Radewald, Montino;
Becker (6/3), Weber (1), Pfaff (4), Jung, Scheer (4), Schuhmacher (1),
Venter (2), Acker (2), Vuletic (3), Heuft (2), Kröhle (3), Kuntz.
TV Nieder-Olm: Bettin, Conradi;
Gramlich (3), Laufersweiler (3), Räder (3), Niedermayer (5), Frommann
(1), Stauder, Stumps (2/1), Tillinger , Kundel (1), Baier, Graubatz (2),
Schmidt (2), Reichelt (1).
Artikel
drucken
|