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Samstag, 25. September 2010 12:05 Uhr
http://www.allgemeine-zeitung.de/sport/mainz/handball/print_9438663.htm

HANDBALL
„Die Vereine halten noch die Füße still“
25.09.2010 - Rheinhessen
KLAUS KUHN Der HVR-Präsident zu der Schiedsrichter-Problematik in der Rheinhessenliga / Altersbereich zwischen Mitte 20 und 40 zu schwach besetzt

Der rheinhessische Handball hat ein schwerwiegendes Problem: Die meisten Spiele der Rheinhessenliga, also der höchsten Klasse auf Verbandsebene, können derzeit nicht mit offiziellen Schiedsrichtern besetzt werden. Stattdessen werden sie von Betreuern oder sonstigen Handball-Enthusiasten geleitet, die nicht als Schiedsrichter ausgebildet sind. Von der Verbandsliga abwärts wiederum sind alle Spiele besetzt. Unsere Zeitung sprach mit Klaus Kuhn, dem Vorsitzenden des Handball-Verbandes Rheinhessen, über diese Problematik.

Herr Kuhn, hat der HVR zu wenige oder zu schlechte Schiedsrichter?

Nein. Im Gegenteil. Der HVR nimmt im deutschen Schiedsrichterwesen eine - gemessen an seiner Größe (er ist der kleinste Verband innerhalb des DHB - die Red.) - herausragende Stellung ein. Wir stellen mit Damian/Wenz das führende Gespann innerhalb des Deutschen Handball-Bundes, zudem viereinhalb Gespanne in der Zweiten Liga, zwei in der Regionalliga und fünf in der Oberliga. Und wir verfügen über 80 Einzelschiedsrichter. Unsere Schiedsrichterwartin Anja Salzwedel und unser Lehrwart Tobias Küsters leisten da wirklich hervorragende Arbeit.

Wo ist dann das Problem?

Die Krux ist die demografische Entwicklung. Wir haben genügend Schiedsrichter, aber im Altersbereich zwischen Mitte 20 und 40 fehlen uns die Leute. Viele unserer Schiedsrichter sind zu alt und damit nicht mehr gewillt, die für die Rheinhessenliga erforderliche Qualifikation zu erfüllen, weil sie keine Ambitionen mehr noch oben haben. Da sie in den unteren Klassen ohne diese Qualifikation pfeifen können, haben wir dort auch keine Probleme.

Wie sieht diese Qualifikation konkret aus?

Es müssen ein Lauf- und ein Schreibtest absolviert werden, was aber eigentlich kein Problem darstellt. Und die Anwärter müssen natürlich ein gewisses Alter, eine gewisse Erfahrung im Handballsport nachweisen. Die Hürden sind also nicht allzu hoch. Trotzdem müssen wir auf diese Form der Qualifikation bestehen. Wir können und wollen dieses System nicht aushebeln, weil ohne diesen Nachweis kein weiterer Aufstieg möglich ist.

Welche Erfahrungen wurden denn bislang mit den Ersatzschiedsrichtern gemacht? Gab es Probleme?

Nein, noch nicht. Die Vereine haben sich auf diese Situation eingestellt und halten bei Fehlentscheidungen noch die Füße still. Aber ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn es gegen Ende der Saison ans Eingemachte geht, wenn es Spitz auf Knopf steht. Natürlich werden wir als Verband versuchen, die kritischen Spiele mit Offiziellen zu besetzen. Aber ob uns das immer gelingt, ist fraglich.

Was kann der Verband tun?

Wir bieten permanent Lehrgänge an, auch Crashkurse für ehemalige Spieler, die nur eine Woche dauern. Und wir kümmern uns um unsere Schiedsrichter, helfen ihnen dabei, in höhere Klassen aufzusteigen. Aber das Problem in den Rheinhessenligen ist nur unter Mithilfe der Vereine zu lösen. Sie müssen für das Schiedsrichteramt werben, müssen uns geeignete Kandidaten melden, die wir dann ausbilden können. Die Vereine wissen, dass es fünf vor zwölf ist. Es sagt sich so leicht, dass Verband und Vereine im gleichen Boot sitzen. Beide müssen auch in ein und dieselbe Richtung rudern.


Das Gespräch führte Rüdiger Lutterbach

 
 

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Klaus Kuhn HVR-Präsident hofft auf
Schiedsrichter-Werbung in den
Vereinen. Archivfoto: D. Waidner
 
 

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