INTERVIEW DER WOCHE Regeländerungen
und -präzisierungen im Handball / Torhütern drohen häufiger
Rote Karten
Die Handball-Saison beginnt.
Wir sprachen mit den rheinhessischen Bundesliga-Schiedsrichtern Ralf Damian
und Frank Wenz über Regel-Neuerungen.
Es gibt einige Regeländerungen.
Worauf müssen sich zum Beispiel Torhüter einstellen?
Damian: Verlässt der
Torhüter in Zukunft seinen Torraum und es kommt zum Kontakt mit einem
im Tempogegenstoß befindlichen Angriffsspieler, führt dies unweigerlich
zur Roten Karte für den Keeper. Egal ob dieser steht oder nicht.
Wenz: Der Torwart ist der
Spieler, der diese Situation kontrollieren kann. Der Angreifer schaut nach
dem Ball, hat keine Chance, dreht sich herum und es kommt zur Kollision
mit dem Torhüter. Deshalb ist die Rote Karte folgerichtig. Man muss
der Gesundheit der Spieler Rechnung tragen.
Welche Änderungen gibt
es noch?
Damian: Es werden keine aktiven
Sperren mehr geduldet, sprich unsauberes Vorstellen von Armen und Beinen.
Darauf soll noch genauer geachtet werden.
Wenz: Es geht um rechtzeitiges
Dasein in der Sperre. Der Angreifer muss seinen Platz rechtzeitig vor dem
Abwehrspieler eingenommen haben, ohne Hinterteil beziehungsweise Arme herauszustrecken
und ohne langes Bein.
Man hört, dass sich
die Zeitspielregel verändert hat. Inwiefern?
Wenz: Im Kern hat sich nichts
wesentlich verändert. Man hat wie folgt präzisiert: Ist das Signal
für passives Spiel seitens der Schiedsrichter angezeigt, die Abwehr
versucht jedoch nur noch durch wiederholte zerstörerische Stoppfouls
die Angriffsbemühungen der Offensive zu unterbinden, so dürfen
wir kein Zeitspiel pfeifen. Der Angriff muss weiterhin die Möglichkeit
zu einem gewissen kontrolliertem Aufbau haben. Im Sinne der Regel wird
das Vorwarnzeichen gegeben, um dem Angriff zu signalisieren, wir erwarten
jetzt von Euch, dass ihr mehr Druck auf die Abwehr macht. Diese Chance
muss der Angriff vor dem Zeitspielpfiff noch bekommen.
Der Ausschluss eines Spielers
verschwindet. Warum?
Damian: Der Ausschluss mit
dem Zeichen der gekreuzten Unterarme verschwindet ganz. Ab jetzt gibt es
die Disqualifikation mit oder ohne schriftlichen Bericht. Beide werden
mit der Roten Karte auf dem Spielfeld signalisiert. Bei einem Foul aus
dem Spiel heraus, muss es nicht immer einen Bericht geben. Bei einer Tätlichkeit
werden die Unparteiischen diese immer in einem Sonderbericht festhalten.
Wichtig: Es darf nach zwei Minuten wieder ergänzt werden. Das war
beim Ausschluss nicht möglich. So bleibt das Spiel spannend für
die Zuschauer. Fünfundfünfzig Minuten eines Teams in Unterzahl
will keiner sehen.
Welche Probleme mit den Änderungen
erwarten Sie?
Damian: Große Probleme
sind eigentlich nicht zu erwarten. Aber ich denke, die Trainer erwarten
jetzt, dass die Schiedsrichter Kreisläuferaktionen mehr ahnden. Alles
was im Bereich Kreisläuferspiel passiert muss mit Maß und Ziel
geschehen. Wir dürfen das Handballspiel auf keinen Fall neu erfinden
wollen. Darin sind wir uns auch mit den Trainern einig.
Wenz: Das Kreisläuferspiel
im Kontaktsportspiel Handball ist sowieso das komplexeste Thema. Unser
Ziel muss sein, den Spieler zu bestrafen der zuerst illegal spielt.
Das Gespräch führte
Dennis Baier
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